norkiye

NORKIYE - 3173km in Europa
 

Categories

Letztes Feedback

Meta





 

Geged verändert sich - und in meinem Kopf dreht sich alles.

Ich fange an schreibfaul zu werden. Das ist schlecht, ich kenne meinen Hang zur Vergesslichkeit und weiß, dass vieles schnell in den Tiefen meines Gehirns verschwindet. Deshalb hier mal wieder ein paar Zeilen, um die wichtigsten Momente der letzten Wochen vor meinem Siebgedächnis zu retten


Geged verändert sich.

Irgendwie ist zur Zeit alles durcheinander, und somit herrscht auch in meinem Kopf momentan ein reges Chaos. Neue Freiwillige bewohnen die Orga, wir haben aus bestimmten Gründen keine Mentor mehr, es sind Schulferien und irgendwie weiß keiner so richtig was für Activities stattfinden und welche nicht, es kommen neue Projekte hinzu, andere fallen völlig weg, nach meinem Deutschlandbesuch muss ich komischeweise immer öfter an manche Leute zu Hause denken und ich mache mir mehr Gedanken über meine Pläne nach dem EFD, die ersten Freunde beenden ihr Projekt und ich erlebe mit ihnen meine letzten Tage, vielleicht sieht man sich nie wieder...meine Schwester und eine Freundin besuchen mich und so vermischen sich endgültig meine beiden Welten...But my EVS goes on.


Nachdem unsere After school Activity in der Highschool aufgrund von sehr geringerm Teilnehmerbedarf gecancelt wurde haben wir seit neuestem ein paar neue Projekte: erstens Mal gehen wir jetzt einmal pro Woche ins Mosaikcenter und treffen uns hier mit einer Gruppe von syrischen Flüchtlingskindern, mit denen wir Mosaike machen oder andere Spiele organisieren, damit sie zumindest für ein paar Stunden ihre Sorgen und teilweise mehr als traurigen Situationen vergessen können. Ein paar von ihnen haben ihre Eltern im Krieg verloren oder wissen einfach nicht, ob sie noch am Leben sind. Viele von ihnen sind noch so unglaublich jung, es fällt mir schwer zu verstehen, was diese Kinder schnon alles durchmachen mussten. Die Lage in Syrien und auch für die Flüchtlinge in der Türkei ist schlicht und ergreifend schrecklich. Daheim vor den Nachrichten kommt einem das alles immer so weit weg vor, so unwirklich und unbegreifbar. Hier vor Ort fange ich langsam an zu begreifen, was Krieg für die Opfer bedeutet und wie schwer es für einen Flüchtling sein kann in einem neuen Land, in einer mehr oder weniger neuen Kultur leben zu müssen, weil er in seiner eigenen Heimat nicht mehr sicher ist. Was es bedeutet auch erstmal eine andere Sprache lernen zu müssen, was es heißt von Einheimischen unerwünscht zu sein und plötzlich am Rand der Gesellschaft zu leben. Als ich letztes Wochenende mit meiner Schwester, einer Freundin und ein paar anderen Freiwilligen in Sanliurfa war, haben wir einen Syrer getroffen, der seit zwei Jahren in einem Flüchtlingscamp im Norden Syriens lebt. Mit einer Gruppe von ein paar anderen Bewohnern dieses Camps haben sie einen vierstündigen Tagesausflug nach Sanliurfa in die Türkei gemacht, um mal etwas anderes, als das Innere des Camps zu sehen. Solche Ausflüge sind nicht selbstverständlich und brauchen vorher eine spezielle Genehmigung, die nicht jeder bekommt. Nach diesen vier Stunden muss er und seine Gruppe wieder zurück nach Syrien, eine Aufenthaltsgenehmigung für die Türkei bekommt er vielleicht in zwei Jahren. Insgesamt warten viele Syrer ganze vier Jahre auf Asyl, solange führen sie ein „Leben“ in den Camps. „That's not a life“, hat uns der junge Mann gesagt. Manchmal brechen Feuer unter den Zelten aus, verursacht durch ein auser Kontrolle geratenes Lagerfeuer oder einfache Zigaretten, und führen zu Todesfällen und Verletzen. Der Winter war kurzzeitig eisig kalt und hat das Leben in den Camps um einiges schwerer gemacht, als es ohnehin schon ist. Der junge Mann wirft den westlichen Ländern Nichtstun vor. Wir stehen da und hören uns seine Klagen an. Und wissen am Ende nicht mehr was wir sagen sollen.


Im Rhöner Kurviertel von Mühlbach sollen bald Flüchtlingsunterkünfte für Syrer eingerichtet werden. Zuvor gab es von vielen Anwohnern kräftigen Widerstand, eine solche Einrichtung gehöre nicht in ein Kurviertel, in dem sich Menschen erholen wollen. Nur eine Hand voll an Ländern der europäischen Union nimmt Flüchtlinge überhaupt auf. Wer denkt da mal daran, dass sich Flüchtlige auch von der ein oder anderen Sache erholen müssen?...Das nur so am Rande.


Okay, um wieder auf unsere neuen Activities zu kommen: neben dem Flüchtlingsprojekt haben wir eine Authistenschule besucht, in der schon in den vorigen Jahren Freiwillige gearbeitet haben. Ich war jetzt erst einmal da, aber vielleicht werde ich sogar öfters in der Woche hingehen. Ich denke vor allem bei authistischen Kindern ist es wichtig, dass man regelmäßig Kontakt zu ihnen hat und sie besser kennenlernen kann. Das habe ich schon vor zwei Jahren gemerkt, als ich mal für 4 Wochen in einem Behindertenheim in Mellrichstadt ausgeholfen habe. Nach den Ferien werde ich das mal ausprobieren!


Nach einem schönen Abend in unserer neuesten Cafeentdeckung „Sinemaskop“ habe ich auch zum ersten Mal meine neue Mitbewohnerin Saida aus Frankreicht näher kennengelernt. Mega coole verrückte Nudel! Leider bleibt sie nur einen Monat. Gleichzeitig habe ich an dem Tag auch zum ersten Mal registriert, dass Julie und Gergö (sie haben in einer anderen Organisation für EVS in Antep gearbeitet) ja schon in 3 Wochen ihr Projekt beenden.. die ersten gehen schon, ist ein komisches Gefühl. Ich hätte gern mehr Zeit mit ihnen gehabt.


Die neuen Umweltprojekt Freiwilligen sind viel ruhiger als die alte Gruppe, vorallem Laura ist ein bisschen enttäuscht von nur halb so viel „Partystimmung“ wie zuvor Aber irgendwie mag ich es, dass jede neue große Gruppe eine neue Atmosphäre nach Geged bringt. Nichts ist fix, wie schon gesagt.


Am Freitag waren wir dann alle zusammen Kartfahren! Nach anfänglichem Zögern (ich bin noch nie in so einem Ding gefahren und habe noch ein schweres kindheitliches Autoscooter Trauma!!!..) habe ich mich dann doch für meine Verhältnisse todesmutig auf die Bahn getraut!!!

...

War lustig.



Morgens war ich einfach mal ein bisschen in Antep spazieren und habe gemerkt, dass ich DRINGENDST mehr von dieser Stadt sehen muss! Ich wohne hier seit 4 Monaten und habe bis auf die nahe Innenstand noch nicht allzu viel gesehen. Liegt glaube ich daran, dass wir fast immer in andere Städte am Wochenende gehen. Aber als ich am Samstag mit Adinda bei schönem sonnigen Wetter Basarshoppen war habe ich mal wieder gemerkt, wie schön es hier eigentlich ist. Bei einer sehr netten Cay Bekanntschaft mit einer Schalverkäuferin haben wir auch gleich mal wieder unsere stetig wachsenden Türkischkenntnisse ausprobieren können! Langsam fühle ich mich sprachlich immer sicherer – höhö

 

 

Abends gabs dann noch zwei Folgen unserer neuesten Suchtserie „Game of Thrones“ , die ich dank Laura jetzt endlich auch mal entdeckt habe! Nach anfänglicher aus irgendeinem Grund überdrehter Stimmug und langanhaltenden Lachflashs lagen wir am Ende alle schon halbeingepennt vor dem Computer und ich bin bald schlafen gegangen. Am nächsten Tag mussten wir schließlich auch früh raus, es ging in eine Art Freiluftmuseum, das „Zeugma“ am Euphrat.

Nach einer etwas chaotischen Tramphinfahrt, bei der ich zum ersten Mal die einzige Person mit Türkisch und Ortskenntnissen war, sind wir dann nach Umwegen über Dutlu, einem Minikaff im Nirgendwo und einem syrischen Flüchtlingscamp, irgendwie am richtigen Ort angekommen.

Hier sind wir dann erstmal auf der Suche nach den anderen Trampgruppen durch ein ausgetrocknetes Flussbett geklettert (wir haben uns irgendwie alle verloren und jeder ist an einer anderen Stelle rausgekommen).

 

Szandro und Bori


Am Ende haben wir dann auch zumindest einen Teil unserer Gruppe am Euphrat wiedergefunden und erstmal zusammen gepicknickt. Dann gings auf Scherben, Ruinen und Steinsuche, die alte griechische Stadt, die hier ausgegraben wurde, ist schon wieder ziemlich alt und eine wahre Schatztruhe für Geologen. (Sagte zumindest Szandro, der ein bisschen Ahnung von der ganzen Materie hatte... ) Teilweise waren auch Reste der Stadt noch im Wasser erhalten, ziemlich faszinierend.

Nach langer Suche finden wir auf der anderen Seite des Flusses Verena und Mohammed wieder


Nach diesem Ausflug hieß es dann noch 2 Tage arbeiten und dann sollten schon meine Schwester und ihre schwedische Freundin Malin aus Budapest zu Besuch kommen! Juhuuu!

Das Lustige dabei war, dass zufällig Freunde von Tamas (ebenfalls aus Budapest) am selben Tag einen Flug gebucht hatten und ihn besuchen wollten. Das war im Nachhinein echt praktisch, weil wir dann am Wochenende alle zusammen reisen gehen konnten! Nachdem wir am Donnerstag erstmal in Antep geblieben sind und ich den beiden die Stadt gezeigt habe, gings am Freitag schon auf Tramptour nach Sanliurfa und am Samstag nach Halfeti. Ich will jetzt nicht ins Detail gehen, es sei nur so viel gesagt: meine Schwester und Malin sind jetzt Hijhiking technisch mit allen Wassern gewaschen, ich muss sagen ich habe selten so viele abenteuerliche Erfahrungen an einem Wochenende gemacht..Und ein ganz ganz wichtiger Hinweis an alle Hijhiker dort draußen: Niemals versuchen rückwärts zu laufen und dabei den Daumen hochhalten, ohne zu wissen, was für Hindernisse hinter dir lauern! Das kann peinlich und schmerzhaft zugleich werden!

Pusteblumen in Sanliurfa! 

...Höhö...


Nach zwei aufregenden aber auch ganz schön ermüdenden Tagen sind wir dann am Samstag Abend heimgekommen und haben bei unserem letzten Fahrer nochmal einen richtigen Glückstreffer gelandet! Der Typ war Gewürzverkäufer und hat uns in Antep jedem 6 Baklava gekauft...danach war mir zwar mega schlecht, aber diese Dinger sind auch so unglaublich lecker, ich kanns gar nicht mit Worten beschreiben Zum Abschluss hat er uns sogar noch eine Tüte Pistazien geschenkt – cok LEZIZ!

Obwohl wir an dem Abend schon bis oben hin vollgefressen waren gings trotzdem nochmal ins Syrische Restaurant, wo wir eigentlich mit jedem Besuch und allen neuen Freiwilligen hingehen. Humus und Falafel sind zwar nicht so jedermanns Ding, aber wenn mans mag ist es schwer mit dem Essen aufzuhören.

 

Hungarian Fraktion

Der Sonntag stand dann erstmal im Zeichen des „Langausschlafens“ und in den nächste Tagen haben wirs auch eher gemütlich angehen lassen. Mit Werwolfabenden, Indischen Kochsessions, Hamam, Zoo, Museum, Singstunden und einem gar wunderbaren Spiel namens „Dixit“ ist die Zeit schnell rumgegangen.

Zwischendrin haben wir noch bei einem Kind aus der Onkologie zu Hause die Wände ihres Kinderzimmers rosa gestrichen und neue Möbel gekauft. Die Familie wohnt in einem ziemlich armen Teil der Stadt und hat sich für das Kind nichtmal ein Bett leisten können. Nachdem wir in der Schule Geld gesammelt haben gings Farbtechnisch an die Arbeit und das Ergebnis kann sich echt sehen lassen.


 

 

 

 

Nachdem wir dann den Donnerstagabend mit Film schauen verbracht haben, hieß es am nächsten Tag schon wieder Tschüss sagen, auf unbestimmte Zeit. Es ist schön zu wissen, dass jetzt zumindest zwei Menschen außerhalb meines EVS wissen, wie ich hier wohne und wie sich das türkische Leben wirklich anfühlt. Manchmal glaube ich nämlicht nicht wiklich gut beschreiben zu können, was ich hier erlebe.

Am selben Tag war dann mal wieder eine riesen Putzaktion in unserer Wohnung angesagt, samstags sollten nämlich zwei neue Longterms aus Ägypten ankommen, die für den Rest meines EVS bei uns wohnen. Beides zwei ganz Süße!

Sonntags haben wir dann einen 3 Stunden entfernten Nationalpark besucht. Ein wahrlich schöner Ort an einem großen See mit zahlreichen Picknickorten. Was an sich ja super klingt, nur leider hatten wir das Picknick vergessen, was dazu führte, dass wir uns an diesem Tag fast ausschließlich nur von Keksen und Wasser ernährt haben. Es gab dort wieder eine Art Freiluftmuseum, in dem wir dann eine Weile durchgeschlendert sind und uns zahlreiche alte Steinskulpturen angeschaut haben...ja, Steine. Anfangs ist das ja noch ganz nett, aber ehrlicherweise fand ich die Aussicht vom Berg dann doch interessanter...! Saida und ich haben uns kurzzeitig zu „Ronja Räubertochter artigem Verhalten“ hinreisen lassen, und uns die Kehle aus dem Hals geschrien, falls das jemandem was sagt

 

 

Saida.


Dann haben wir uns aber schon bad wieder auf den Rückweg gemacht, weil wir noch eine Burg besichtigen wollten, die ein paar Kilometer weiter weg lag. Nach Kenntnissen unseres Fahrers dorthin sei der Eintritt auf die Burg sehr teuer, aber irgendwie sind wir dann einfach selber drauflosgeklettert und haben das Ungetüm ohne Bezahlung erklummen. An manchen Stellen hatte ich dann zwar schon mega Herzklopfen, aber glücklicherweise sind wir letztendlich alle wieder heil am Boden angekommen. Danach waren meine Füße aber wirklich mehr als müde, so viel wie an diesem Tag bin ich schon lange nicht mehr gelaufen. Dementsprechend lagen wir abends dann alle auch bald in den Federn.

Aussicht von der Burg


Der Montag war der letzte Tag von Julie, Kevin und auch Redi. Redi kommt aus Syrien und ist zwar kein Freiwilliger, aber hat uns bei so machen Activities von Geged geholfen. Er ist der absolut beste Zaz Spieler, den ich kenne und einer der für mich faszinierndsten Menschen, die ich hier getroffen habe. Er geht jetzt 2 Monate nach Izmir und schreibt dort an seiner neuen Novelle, er ist nämlich eine Art Schrifsteller (und Philosoph in meine Augen). Irgendwie war er die gute Seele von Geged, und jetzt geht er einfach, vielleicht auch für immer.

Jedenfalls gabs abends dann eine ziemlich emotionale Abschiedsfeier, und zum ersten Mal habe ich verstanden, was der durchaus schlaue Satz auf meiner morgendlichen Teetasse heißt: „Es sind die Begegnungen mit Menschen, die das Leben lebenswert machen.“ Manchmal trifft man Leute, bei denen man erst merkt wie ähnlich sie einem sind, wenn sie schon fast wieder weg sind.

Meeauh, I will miss you Julie mon petit chat ♥...


But my EVS goes on.


And I have the choice how to continue.


Rebecca

Rebecca am 6.2.14 19:29, kommentieren

„Meine 2 Welten treffen aufeinander – und danach ist alles wieder wie zuvor.?“ Plus „Antalya - Somme

Nach 3 Monaten in der Türkei habe ich zum ersten Mal das Land verlassen und damit auch meine neue „Heimat“. Es ist komisch wirklich von einem zweiten Zu Hause in Antep zu sprechen, aber so kommt es mir mittlerweile vor.

Am Mittwoch, eine Woche vor Weihnachten, habe ich mich erst nach Budapest aufgemacht, um dort meine Sschwester zu besuchen, bin dann für die Feiertage nach Hause zu meiner Familie, um dann anschließend noch 3 Tage mit anderen Freiwilligen in Istanbul zu verbringen.

Es war ein schönes, aber auch komisches Gefühl wieder alle altbekannte Gesichter, Freunde und Familie zu sehen, und vor allem mal wieder „europäisches Leben“ zu erleben. Mein EFD ist zwar ein europäischer Freiwilligendienst, aber Antep unterscheidet sich schon in vielerlei Hinsicht von meiner eigentlichen westlicheren Heimat. Ich könnte beinahe von einem zweiten Kulturschock sprechen, so verwirrt war ich manchmal bei dem blosen Anblick von normalen Bars oder der U-Bahn in Budapest...klingt verrückt, ich weiß

Ein wenig neidisch war ich ja schon muss ich sagen, denn wie gesagt, zum Ausgehen gibt es in Antep gleich null Möglichkeiten. Budapest hat mir dagegen in dieser Hinsich total gut gefallen! Gemütliche Cafes, teilweise auch ziemlich alternative Orte, „Ruin Bars“, deren Einrichtung nur aus Sperrmüll zusammengestellt wurde...All das war mal eine willkommene Abwechslung!

 

Nach meinem relativ kurzen Besuch im guten alten Unterfranken bin ich dann schon wieder am 26.12.13 Abends von Nürnberg nach Istanbul geflogen. Es war ein rasend schneller Wechsel zwischen Zu Hause und meiner neuen Welt, der Türkei. Schon als ich am Flughafen wieder türkische Gesprächsfetzen aufgeschnappt habe, ist mir meine Rückkehr erst richtig klar geworden. Nach nur ungefähr zweieinhalb Stunden bin ich am Istanbuler Flughafen angekommen und war auf einmal wieder in meiner „Reisendenrolle“, auf mich gestellt, unabhängig, frei.

Istanbul in 3 Tagen ist eindeutig zu wenig, aber ich werde auf jeden Fall nochmal zurückkommen, im Frühling oderso, wenns dann auch ein wenig wärmer draußen ist!

Untergekommen sind wir bei einer französischen Erasmusstudentin, Lola, die über ein paar Ecken Laura, eine Freiwillige aus meinem Projekt, kennt. Beides sehr coole Leute!

 

Taksim und Gezi Park


Vor allem die Gegend in der Nähe des Taksim Platzes hat mir gefallen, alle 30 Meter hat man Straßenmusiker zu Gesicht bekommen und deren fröhlicher Musik lauschen können, zahreiche süße kleine Einkaufspassagen und Schramsläden, in denen man stundenlang nach alten Büchern stöbern könnte...


Kurdische Sänger



Türkische Musiker vom Schwarzen Meer


Allerdings lag auf der anscheinend lockeren Atmosphäre in den Straßen ein Schatten, versursacht durch die ganzen Polizeikräfte, die sich fast überall positioniert haben. An meinem zweiten Abend in Istanbul kam es abends wieder zu gewalttätgen Ausschreitungen zwischen Demonstranten und Polizei, aber davon haben wir selber nichts mitbekommen, da wir vorher Bescheid wussten und diese Orte gemieden haben. Nur am nächsten Morgen bei Tageslicht wird einem beim Anblick der gepanzerten Fahrzeuge klar, dass hier am Abend zuvor Straßenkämpfe stattgefunden haben...ein ziemlich bedrückendes Gefühl muss ich sagen. In der nächsten Nacht blieb es dann aber zum Glück ruhig und wir konnten die Tanzmöglichkeiten in der Nähe des Taksim Platzes nutzen!

Als es dann schon fast wieder hell wurde sind wir nach Hause in die Wohnung von Lola gegangen, wo wir dann den letzten Tag ausschließlich schlafend vebracht haben. Um 6 Uhr abends ging dann unser Flug zurück nach Antep. In diesem Moment war ich ehrlicherweise nicht sonderlich erpicht darauf wieder zu arbeiten und Istanbul hinter mir zu lassen, aber wie gesagt, ich komme bestimmt zurück!

Durch einen ziemlich lustigen Zufall haben wir kurz vor unserem Flug Freunde aus unserem Projekt am Istanbuler Flughafen getroffen, die über die Weihnachtsferien in Israel waren. Das war ein cooles Wiedersehen Wir haben zwar nicht den gleichen Flug gebucht, kamen aber trotzdem ungefähr dann wieder zur gleichen Zeit in unserer „zweiten Heimat“ an.

Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit habe ich mich relativ schnell wieder eingelebt und irgendwie war trotz meiner kurzen EFD Unterbrechung alles wieder wie zuvor.

Als wir uns dann alle den Mund über die jeweils eigenen Weihnachtsferienerlebnisse fusselig geredet haben war auch schon Neujahr da. Was wir Besonderes an diesem Abend machen wollten haben wir uns vorher nicht wirklich überlegt, aber es war dann letztendlich ein sehr lustiger Abend in unserer Organisation mit allen Freiwilligen, viel Tanzen, gutem Essen und „wunderschönem“ Karaokegesang.

Ich muss sagen wenn ich so auf mein Jahr 2013 zurückblicke kann ich sagen, dass es eindeutig das Spannendste in meinem ganzen Leben war. Die Abizeit kommt mir schon wieder wie aus einem anderen Leben vor, aber gleichzeitig ist das ganze auch erst vor einem halben Jahr passiert.

Ich habe mir natürlich mal wieder keine guten Vorsätze fürs nächste Jahr gemacht, weil ich mich kenne und sowas bei mir sowieso nicht funktioniert Aber weil ich momentan sowieso noch keinen Plan habe wo ich heute in einem Jahr stehen werde, ist das grad auch nicht so wichtig für mich. Ich hoffe einfach, dass meine restlichen 6 Monate hier noch schön werden, wenn nicht nch ein bisschen schöner, und dass ich zur Fußball WM 2014 dann wieder in Deutschland sein kann!


Passend dazu bin ich dann nach nur einer Woche Arbeit schon auf mein Mid-Term Training nach Antalya gegangen. Für mich ist die Halbzeit zwar noch nicht ganz erreicht, aber natürlich habe ich mich trotzem wieder auf eine Woche Hotel und Essen im Überfluss gefreut!!

Zuvor habe ich aber noch die 2 Tage Wochenende vor dem Training in einem billigen Hostel mit ein paar anderen Freiwilligen verbracht. Wenn man schon mal nach Antalya geht muss man das auch ausnutzen Unsere Unterkunft im 6er Zimmer war zwar um Längen nicht mit unserem Hotel fürs Training zu vergleichen, aber allein die Aussicht von einem riesigen Balkon hat das alles wett gemacht!

Hostelaussicht


Wir haben mitten in der alten Stadt gewohnt, dem meiner Meininung nach schönsten Teil der ganzen Stadt. Normalerweise sind die Straßen hier nur so überfüllt mit Touristen und Menschenmassen, aber da wir nicht gerade in der Hauptsaison da sind war alles eher etwas ausgestorben. Was mir aber irgendwie auch lieber war, als im Touristenstrom zu ertrinken zu müssen. Es hatte zwar keine 30 Grad, aber die Sonne hat uns beihnahe die ganze Woche nicht im Stich gelassen und wenn an der Felsküste nahe unserem Hostel nicht so eine starke Strömung gewesen wäre, wären wir auch schon an unserem ersten Wochenende Schwimmen gegangen. (So mussten wir noch bis zum Training warten, wo wir uns dann aber endlich todesmutig ins Wasser getraut haben...ganz ehrlich, in so kaltem Wasser habe ich noch nie gebadet, und das sage ich als langzeitige Schwedenseeurlauberin!)

 

Leider zu starke Strömung zum schwimmen...



...dann endlich der mutige Sprung ins Wasser!


Am Montag früh haben wir uns dann zum Busbahnhof aufgemacht, um den Transfer zum Hotel zu erwischen. Leider hat es diverse Organisationsschwierigkeiten gegeben, wegen denen wir den Bus verpasst haben und dann irgendwie selber zum Hotel finden mussten. War dann im Nachhinein gar nicht so unpraktisch, weil wir nach einiger Sucherei früher als alle anderen am Hotel ankamen und schonmal den Strand nutzen konnten!

Es war cool einige Leute vom On Arrival Training wieder zu treffen, aber auch irgendwie seltsam, weil mir das letzte Treffen gar nicht so lange her vorkommt.

Im Endeffekt hat unsere „Geged Gruppe“ auch sowieso wieder ein Drittel aller Teilnehmer eingenommen, wir sind wirklich der größte Haufen an Freiwilligen in der ganzen Türkei. Neben ein bisschen Evaluation, Selbstrefelxion auf das eigene Projekt und die die Dinge, die man schon gelernt hat oder noch lernen will, war das ganze Training aber vor allem wieder auf den Erlebnisaustausch mit anderen Freiwilligen ausgelegt...was auf Deutsch heißt: wenig Anstrengung - viel Zeit zum reden und relaxen.

Abend am Strand


Zwischendurch haben wir dann nochmal einen Halbtagesausflug nach Antalya gemacht, da unser Hotel eine Stunde auserhalb irgendwo in diesen riesigen Touristenanlangen lag. (Was für mich persönlich ziemlich befremdlich ist, diese typischen Hotel-Urlaube, in denen man sich ausschließlich nur auf der Hotelanlage aufhält und dich überall Amateure anspringen und zu „guter Laune“ verhelfen wollen schrecken mich eher ab...naja, aber ich will mich jetzt auch nicht beklagen ) Seltsam ist auch, dass hier fast jeder Deutsch sprechen kann...und als ich dann irgendwann nichtsahnend durchs Hotel gelaufen bin und plötzlich der lieblichen Stimme Mark Medlocks lauschen durfte (Für alle früheren DSDS Verweigerer: ihr habt alles richtig gemacht!) war ich völlig geschockt. Aber ich habe mir die Stimmung von diesem kulturübergreifenden Zwischenfall nicht verderben lassen und tapfer über mich ergehen lassen.

Zwischenstopp bei den Düden Wasserfällen nähe Antalya


Nach nur drei Tagen war das Training auch schon wieder vorbei und so schlau wie wir sind haben wir uns fürs Wochenende noch einen Couchsurfer gesucht, bei dem wir dann noch 2 weitere Tage in Antalya verbringen konnten. Da wir aber ja schon fast alles Sehenswerte der Stadt gesehen hatten haben wir beschlossen am Freitag zum Olympos zu trampen. Nur hundert Kilometer von Antalya entfernt liegt hier eine antike Stadt eingebettet in den wunderschönen Bergen Antalyas, die gleich am Meer liegen. Mit Worten kann ich diesen Ort nur schwer beschreiben, aber vielleicht bekommt ihr durch die Fotos eine ungefähre Vorstellung.



Die eigentlche Attraktion dieses Ortes haben wir am Ende gar nicht sehen können. Eigentlich kann man nämlich in eineinhalb Stunden auf eben diesen Olympos klettern und hier die berühmten Felsenfeuer betrachten. Dort tritt nämlich irgendein Gas aus der Erde und führt so zu dauernd brennenden natürlichen Feuern. Allerdings haben wir zu vie Zeit damit verbracht zu den Ruinen von einer kleinen Burg hochzuklettern und dann vor allem wieder den Weg zurück nach unten zu finden. Mit ein paar anderen Reisenden aus Alaska, Australien und den USA, die wir hier zufällig kennengelernt haben, haben wir dann noch am Strand gechillt bis wir schließlich vor der Entscheidung standen noch zum Olympos hochzuklettern oder lieber doch schon heimzutrampen. Haben uns dann doch lieber für den Nach Hause Weg entschieden, da es schon wieder gedämmert hat und es auch langsam kalt wurde. Aber die Feuer werde ich mir im Sommer nochmal anschauen. Hier gibt es nämlich einen Wanderweg, den sogenannten Lykischen Weg, den ich in den nächsten Monaten irgendwann mal in Angriff nehmen will. Ich bin zwar keine geborene Wanderin, aber die Landschaft ist hier so schön, dass ich das einfach ausprobieren muss!

Auf unserem Nach Hause Weg haben wir das Berpanorama mal wieder von einer Lastwagenplattform aus mit frisch gepflücktem Orangen Snack bestaunen können. Entschuldigt für meine Theatralik: aber einfach traumhaft!

Den Abend haben wir dann mit unserem Couchsurfer in diversen Bars mit türkischer Rockmusik verbracht. Eigentlich steh ich ja nicht so auf Rock, aber die Bands haben sogar mir gefallen. Meine Einstellung zu türkischer und generell östlicher Musik ist gerade dabei sich ein wenig zu ändern. Vor Antalya war ich auf einem Konzert mit traditioneller türkischer Musik, das mir aber zu meiner Überraschung echt gefallen hat. Türkischer Rock und eine diverse armenische Sängerin, die ich dank unseres Couchsurfers entdeckt habe, haben es mir in letzter Zeit irgendwie angetan.

Nach dieser lange ereignisreiche Woche bin ich jetzt aber auch mal wieder froh längere Zeit in Antep zu bleiben. Ben yorgunum.


Eine schöne nächste Woche noch wünsche ich und einen guten Start ins neue Jahr!

Mutlu yillar!


Rebecca


Rebecca am 12.1.14 17:00, kommentieren