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NORKIYE - 3173km in Europa
 

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Hatay – Iskenderun – Diyarbakir – Reisepause – Saliurfa/Harran :)

Unglaublich, aber wahr: Irgendwann bin auch ich mal an dem Punkt angelangt, wo ich sage: diese Woche bleib ich mal in Antep! Ich will mal ausspannen, die Zeit sinnvoll nutzen, Türkisch lernen oder auch mal an die Zukunft denken, Bewerbungen für Praktika nach meinem EFD schreiben, endlich was von Gaziantep sehen und die nächste Englischstunde mal RICHTIG GUT vorbereiten...

Okay, man macht sich diese Vorsätze, aber im Endeffekt chillt man dann doch nur das ganze Wochenende rum und macht nichts wirklich Sinnvolles... Dementsprechend bin ich dann voller Reiselust dieses Wochenende wieder mit Tamas, Laura, Adinda, Fatima und Michel auf Städtetour nach Sanliurfa und Harran gegangen. Aber bevor ich davon erzählen kann muss ich erstmal die letzten 3 Wochen nachhholen....Juhu, ich freue mich jetzt schon auf diesen sicherlich endlos langen Blog Eintrag!

Also, zunächst mal muss ich von unserem ziemlich abenteuerlichen Trip nach Iskenderun und Hatay berichten. Iskenderun ist eine kleine relativ moderne Hafenstadt am Mittelmeer, nur ein bis zwei Stunden von Gaziantep entfernt. Die Stadt Hatay (Antakya), die den gleichen Namen wie die Region hat, in der sie liegt, ist dann nochmal eine Stunde mit dem Bus enfernt Richtung syrische Grenze. (Ist übrigends auch das gleiche mit Gaziantep. Die Region und die Stadt haben einfach den gleichen Namen) Jedenfalls haben wir bei unserem Hijhiking Trip nach Iskenderun einen etwas wortkargen, aber mal wieder mega großzügigen Lastwagenfahrer kennengelernt, der uns ein lecker „Frühstück“ bestehend aus einer Art Gulasch und natürlich Cay an einer Tankstelle bezahlt hat.

 

 

Langeweile auf einer menschen - und vor allem autoleeren Autobahn...keine Angst, wir sind nicht verrückt und Adinda ist nach wie vor am Leben

 

 

In Iskenderun angekommen sind wir dann eine Zeit lang am Hafen entlang gelaufen und haben das nach wie vor noch schöne sonnige Wetter genossen. Nach einem enspannten Picknick mit dem ungeschlagen leckeren türkischen Brot (Türkisches Weißbrot ist einfach hammer – leider gehört es auch zu einem der Gründe warum ich hier schon gefühlte 10 Kilo zugenommen habe, aber es macht einfach süchtig!) und einem eher weniger leckeren Käse gings nochmal ein bisschen in die Innenstadt. Mit Eis und der immer wärmer werdenden Sonne haben wir uns dann langsam wieder auf die Suche nach einem guten Hijhiking Ausgangspunkt gemacht. Leider hat sich das diesmal mehr als schwierig erwiesen, die Leute hier haben uns glaub ich für ziemlich blöd gehalten, wie wir da am Straßenrand rumgelungert sind. Naja, nicht überall ist man so an Tramper gewöhnt, das hieß dann im Endeffek, dass wir gezwungernermaßen doch einen Bus nehmen mussten. In Antakya haben wir dann noch eine Zeit lang gebraucht, um die Universität zu finden, hier wollten wir nämlich unseren Couchsurfer treffen. Ich hab mich echt gefreut endlich mal dieses Hosting System auszuprobieren und ich kann es im Nachhinein nur empfehlen! Unsere „Schlafgelegenheit“ war total nett und gastfreundlich. Bei einem extra für uns von seinem Mitbewohner vorbereiteten Abendessen unterhält man sich gut und verbringt eine schöne Zeit mit dir eigentlich völlig fremden Menschen. Bei Saz („türkische Gitarre&ldquo und kurioser Indischer Musik bin ich dann schnell ziemlich müde geworden und bald schlafen gegangen.

 

Afiyet Olsun! (Guten Appetit)

 

Das ist echt der Nachteil beim Trampen, abends bin ich immer ziemlich fertig und nach der ganzen Reiserei zu nicht mehr viel zu gebrauchen. Dafür war ich am nächsten Tag dann wieder fit und Ümit, unser eher koreanisch als türkisch aussehender Couchsurfer, hat uns seine Stadt gezeigt. Leider hatten wir an diesem Tag ziemlich Pech und konnten ein paar interessante Sachen wegen Restaurationsarbeiten nicht besuchen, aber dafür haben wir später die wunderschönen Harbiye Wasserfälle gesehen.

Harbiye

Leider ist dieser schöne Ort mega touristisch und dementsprechend auch ziemlich vermüllt...



Nach einem schönen aber auch anstrengenden Tag (das Tankstellenessen vom Vortag hat mir im Nachhinein doch nicht so gut getan..) gabs dann nochmal ein gutes Abendessen und wir haben entspannt unserer Heimfahrt, diesmal mit Bus, entgegengesehen. Wollten nämlich noch möglichst die Zeit in Antakya genießen und nicht im Dunkeln heimtrampen. So, und dann begann die ganze Odyssee...dummerweise ist der letzte Bus an dem Tag schon um 6 Uhr gegangen, weil an diesem Sonntag Gedenk und Trauertag an Atatürks Tod war. Wir waren zu spät dran und das hieß es war stockdunkel und wir mussten noch einge Kilometer bis nach Gaziantep zurücklegen. Ich kann nicht im kleinsten Detail beschreiben wie dieser Trip verlaufen ist, nur so viel: es war eine Mischung aus einem ziemlich besorgten Lastwagenfahrer, gefühlten 100 Telefongesprächen mit unserer Mentorin und allen anderen möglichen Organisationsmitgliedern, die für uns als Übersetzer fungieren mussten, einem eineinhalbstündigen Tankstellenaufenthalt, während dem wir noch von dem Tankstellenpersonal ein Gnadengratismitternachtsmahl bekommen haben, und dem letztenlichen Ergebnis, dass wir auf den letzten Kilometern doch noch irgendwie Glück hatten und sicher in Antep angekommen sind. Das hört sich jetzt ziemlich chaotisch an, wars aber eigentich gar nicht, das Problem war einfach nur, dass sich manche Leute zu viele Gedanken gemacht haben und es viele Missverständnisse gab. Naja, unser letzter Fahrer war einer der nettesten Trampbekanntschaften, die ich bisher gemacht habe, von daher hat alles doch noch sein Gutes gehabt . Zum Abschied gabs noch eine Rucksackladung Orangen als Geschenk, die dann als Wohnungsvorrat für die ganze nächste Woche gereicht haben!


Nach dieser ziemlich detaillreichen Beschreibung des Wochenendes fasse ich mich mit der folgenden Woche möglichst kurz – ich weiß noch nicht ob das klappt, aber ich bemühe mich!


Im Verlauf der Woche hat Anastasia, eine Freiwillige aus Italien, ein Abschiedsvideo mit allen anderen Leuten vom Kinderprojekt für unsere gemeinsame Mentorin gedreht...ich kann nur so viel sagen, es war ziemlich lustig und ich hab festgestellt, dass meine Schauspielkünste nach mehr als 2 Jahren ohne Theater deutlich gelitten haben... Aber auch wenns am Ende eher amateurhaft aussah, Spaß hat es allemal gemacht! Sewim – we love you! <3


Sonst ist vielleicht noch zu erwähnen, dass ich endlich dazu gekommen bin ein paar Winterschuhe zu kaufen! Denn wie gesagt, ich sitze immer öfter bibbernd in der Organisation, weil die Heizung manchmal nicht perfekt funktioniert und es draußen immer kälter wird.

Am Mittwoch Abend waren wir dann von ein paar Studenten, die zu unserem Conversation Club kommen, zum Kebap Essen eingeladen. War echt der beste Kebap, den ich hier je gegessen habe! ( Und das sind jetzt schon einige!) Mein persönlicher Favorit heißt Antakya Kebap und besteht aus Hühnchen und der geheimen Geheimzutat: geschmolzener KÄSE! Allein aus diesem Grund muss ich nochmal nach Antakya und dort die lokale Spezialität nochmal probieren. So gut wie jede Stadt hat hier ihren eigenen Kebap – und in der Ursprungsregion schmeckt er natürlich am besten! So genug Informationen übers Essen, sonst bekomme ich gleich wieder Hunger.

Eigentlich wollte ich durch meinen Wasserfallbesuch von letztem Wochenende inspiriert mal ein Wochenende auf Wandertour gehen, aber hier in der Nähe gibt’s keine richtigen Wanderwege und es ist mittlerweile auch zu kalt, um draußen zu schlafen. Also bliebs dann doch bei einem weiteren Städtetrip nach Diyarbakir, der sich aber im Nachhinein aber echt gelohnt hat! Diesmal gings 300 km in den Osten. Wir waren mal wieder eine ziemlich große Gruppe mit 9 Leuten und aufgrund eines Zwischenstops in einem Krankenhaus in Saliurfa kam meine Gruppe auch etwas später an. Und nein, wir waren da nicht, weil irgendjemandem was passiert ist, sondern weil unser Fahrer Arzt war und uns zu einem typsichen Sanliurfa Frühstück an seinem Arbeitsplatz eingeladen hat. (Chili Schoten am Morgen sind aber nach wie vor echt nicht so mein Ding...) Ein Freund von ihm hat uns dann noch den Weg zur nächsten Autobahn Richtung Diyarbakir gezeigt, damit wir unsere Reise fortsetzen konnten, und ich hab mich zum ersten Mal richtig auf Türkisch unterhalten – das war ein ziemlich cooles Gefühl muss ich sagen Manchmal rate ich zwar eher noch, was so manch ein Türke mir sagen will, aber ich verstehe langsam immer mehr. Was meine Sprechkünste angeht beschränke ich mich oft noch immer auf Vokabeln, die unsere Arbeit betreffen. Das heißt ich erzähle den ganzen Hijhiking Bekanntschaften immer dasselbe und kann die Sätze schon fast im Schlaf aufsagen

Hier mal die vereinfachte Version eines Hijhinking Gepräches, das fast immer gleich abläuft:


Ich: Merhaba! Diyarbakira gidiyoruz! (Hallo, Wir gehen nach Diyarbakir)

Diverser Fahrer: Merhaba! „unverständliches Gerede“ (Hallo, blabblabla...)

Ich nach längererm Unverständnis: Nerede gidiyorsunuz? Diyarbakir? (Wohin gehen Sie? Diyarbakir?)

Fahrer: Evet evet, gel! (Ja, ja, komm!)

Ich: Ama para yok! (Aber kein Geld!)

Fahrer: Tamam, gel! (Ist okay, komm!)

Ich: Aahhh, cok tesekkür ederim! (Aahhh, vielen Dank!)

Fahrer: Nerelsiniz? (Woher kommt ihr?)

Ich: Almanya (Deutschland)

Tamas: Macaristan (Ungarn)

Sheila: Espagna (Spanien)

Fahrer: Ne yapiyorsunuz? (Was macht ihr?)

Ich: Gönüllü Antepte. (Freiwillige in Antep) Biz cocuklari calisiyorum. (Wir arbeiten mit Kindern)

Fahrer: Cok güzel! (Sehr schön!)


Am Ende der Strecke:


Wir: Tesekkürler! (Danke!)

Fahrer: Rica ederim! (Kein Problem!)

Wir: Görücürüs! Iyi günler! (Tschüss! Einen schönen Tag noch!)

Fahrer: Görücürus! (Tschüss!)


Ja, man merkt schon, unsere Türkischkenntnisse sind hammer...aber das war ja auch die vereinfacht Version, manchmal kommen noch komplexere Sätze hinzu...also manchmal


Jedenfalls sind wir dann irgendwann auch mal angelangt und haben noch mit unserem letzten Fahrer einen Cay auf der berühmten Stadtmauer von Diyarbakir getrunken. Blöderweise haben wir uns im Vorraus nicht um einen Schlafplatz für neun Leute gekümmert und dazu kam auch noch, dass an diesem Tag Erdogan in der Stadt war und deswegen so gut wie jedes Hostel überfüllt war. Durch einen ziemlich glücklichen Zufall haben wir dann einen Platz bei einem sehr spontanen Couchsurfer gefunden, der uns ALLE in seiner Wohnung schlafen lassen hat! Zusätzlich hatte er noch 3 weitere deutsche Reisende aus Berlin aufgenommen, die auf dem Weg nach Nepal waren. War eine ziemlich coole Erfahrung und man hat schon wieder so viele neute Leute kennengelernt. Über den Tag hinweg ist noch ein Backpacker aus Boston zu unserer Gruppe gestoßen, leider musste er dann abends aber schon wieder weiter, weil er momentan auf dem Weg in den Iran war. War echt mal cool sich mit jemadnem zu unterhalten, der Englisch als Muttersprache spricht, irgendwie nervt mich unser ganzes Möchtegern Englisch manchmal ziemlich, keine Ahnung warum Am nächsten Tag ist dann ein großer Teil unserer Gruppe weiter nach Mardin getrampt, aber Tamas, Verena, Nadja und ich sind in Diyarbakir geblieben, da wir am Tag davor eigentlich noch fast gar nichts von der Stadt sehen konnten. Und schließlich habe ich noch genug Zeit mir andere Städte anzusehen. Bleibe jetzt nämlich doch 9 anstatt nur 6 Monate hier, das heißt ich muss mir keinen Stress machen. Diyarbakir ist die bisher schönste Stadt, in der ich war.

Alte Stadtmauer von Diyarbakir


Die riesige Stadtmauer, auf der man regelrecht spazieren gehen kann, und die Altstadt sind ziemlich schön. Beinahe hätten wir uns in den winzigen engen Gassen verlaufen, aber irgendwie haben wir aus dem Labyrinth wieder rausgefunden. Dabei darf man nicht vergessen, dass die Leute, die hier wohnen, nicht die reichsten sind. Manchmal kommt man sich schon ziemlich komisch vor inmitten der ziemlich kargen und runtergekommenden Häuser. Kinderbanden jagen durch die Straßen, spielen mit Stöcken, Steinen und was sich sonst so findet und folgen uns mit den bittenden Worten „Money, money!“

Der krasse Unterschied zwischen reich und arm kommt für mich vor allem auf diesem Bild zum Vorschein...auf der einen Seite der Mauer der penibel gepflegte Park und auf der anderen Seite ein ziemlich runtergekommener Teil der Stadt.

Am Ende wurden wir noch von einem Straßenkehrer in einen Innenhof in der Mitte der Altstadt eingeladen. Dort war eine Art gemeinschafliche Singveranstaltung , bei der erfahrene Sänger kurdische und türkische Lieder vorgeführt haben. Vor allem in dieser Gegend wohnen ziemlich viele Kurden. Die komplizierte Beziehung zwischen Türken und Kurden war mir bevor ich hierher kam gar nicht bewusst, muss ich zugeben. Aber mittlerweile ist mir klar geworden, dass viele nach wie vor die jeweils andere „Identität“ regelrecht verachten. Die Kurden hatten lange Zeit kein Recht auf ihre Sprache und ihre Kultur, und obwohl sich das mittlerweile zumindest teilweise geändert hat, sind viele den Türken gegenüber noch immer sehr kritisch eingestellt. Einige hoffen auf die Autonmie der Kurden im eigenen Staat Kurdistan und sind stolz darauf nicht zu den Türken zu gehören. Das Thema ist ziemlich explosiv und auch hierbei muss man wirklich aufpassen, was man sagt. Beispielsweise wollten wir eigentlich im Jugendcenter eine „kurdische Nacht“ veranstalten, da nicht alle von ihnen türksich sind. Allerdings wurde uns auf diesen Wunsch hin immer wieder gesagt, dass das aus diversen Gründen nicht möglich ist...

Jedenfalls haben wir uns nach dieser ziemlich interessanten Erfahrung wieder auf den Weg Richtung Autobahn gemacht und wollten eigentlich wie immer ganz normal heimtrampen. Allerdings ist uns an diesem Tag noch ein wahrer Engel begegnet. Aus irgendeinem unerfindlichen Grund hat uns ein völlig Fremder Bustickets für insgesamt 100 Lira (ungefähr 40 Euro!!) von Diyarbakir bis nach Gaziantep gekauft. Wir wollten das natürlich gar nicht, aber der Typ hat nicht locker gelassen und einfach das Geld gezahlt, da war es dann unmöglich ihn einfach mit den Tickets stehen zu lassen. Wir dachten erst er hat einen Freund am Busbahnhof der uns mit dem Auto nach Diyarbakir bringen kann, hätten wir gewusst, dass er uns wirklich einen Bus zahlen will wären wir natürlich nicht migegangen...

Ich bin jedes Mal wieder geflasht, wie spendabel manche Leute in diesem Land sind. In Deutschland bekommt man schon Probleme, wenn man mal nach einem Euro fragt... und hier lassen sie dich nicht mal eine Tee selber zahlen. Manchmal komm ich mir dabei ganz schön blöd vor muss ich sagen, aber so ist hier eben die Kultur. Ein Satz von dem Engeltypen ist mir im Gedächnis geblieben...er hat sowas in der Art wie „we are all sisters and brothers in the world. It doesn't matter which country we are from, which culture or which religion we have, we all have to help each other“ gesagt. Klingt jetzt ziemlich kitschig, wenn ich das hier so reinschreibe, aber dieser Typ hat das glaub ich wirklich ernst gemeint. Ist schwer zu beschreiben, aber er hatte irgendwas an sich, das mich glauben lassen hat, dass er das wirklich so meint wie er es sagt und dass das nicht nur irgendein schlaues Geschwafel war.

Tja, wie gesagt, nachdem der Typ dann noch extra eine dreiviertel Stunde mit uns am Bahnhof auf den Bus gewartet hat und uns mindestens noch 3 Minuten, als wir schon im Bus saßen, hinterhergewunken hat, gings bequem zurück nach Ganziantep. Im Nachhinein war ich dann echt froh, inzwischen hatte es nämlich zu regnen angefangen und dunkel war es auch schon wieder. Da die türkischen Langestreckenbusse alle mit Minibildschirmen in den Vordersitzen ausgestattet sind konnten Verena und ich dann noch Madagascar 3 auf Türkisch anschauen, wobei ich sogar ein paar Wörter (beachte: Wörter! Keinesfalls Sätze!) verstanden habe.

Die Wochenenden gehen hier meiner Meinung nach immer viel zu schnell rum und die nächste Woche hat wieder ein paar neue Aufgaben erfordert. Dienstags habe ich ausnahmsweise mal nicht Mina unterrichtet, sondern bin zusammen mit Julia ins Secret House gegangen. Dort wohnen Frauen, die aufgrund häuslicher Gewalt oder anderen Problemen nicht mehr daheim wohnen können und einen Ort zum „Untertauchen“ benötigen, von dem sonst keiner weiß. Deswegen auch der Name „Secret House“. Unsere Aufgabe ist es uns eine Zeit lang mit den Kindern zu beschäftigen, die dort mit ihren Müttern wohnen, und so die Frauen ein wenig zu entlasten. Allerdings war ich nur als Vertretung für eine andere Freiwillige da und werde in Zukunft wieder Mina unterrichten. Mit meinem persönlichen Englischunterricht im Jugendcenter läuft zur Zeit alles ein bisschen durcheinander...eigentlich dachte ich, dass ich meinen Schüler jetzt für längere Zeit haben werde, allerdings hat er mir eröffnet, dass er doch keinen Englischunterricht haben will. Dafür unterrichte ich jetzt einen Anderen. Es ist irgendwie ziemlich schwierig und anstrengend sich immer wieder auf einen anderen Schüler einzustellen, weil jeder auf einem anderen Level ist. Die Sachen, die man vorbereitet hat werden im Endeffekt dann doch nicht gebraucht und man kann nicht wirklich einen aufbauenden Unterricht gestalten. Naja, ist auch wieder Turkish Style, nichts ist fix und alles ändert sich dauernd. Am Donnerstag habe ich zum Beispiel mal eine halbe Stunde mit einem völlig anderen Jugendlichen ein bisschen Englisch gemacht. Zwar bin ich mir nicht sicher, ob es ihm einmalig wirklich etwas bringt, aber am Ende wars dann ziemlich cool, weil wir einfach mit noch ein paar anderen Leuten zusammen saßen und einach versucht haben auf Englisch miteinander zu quatschen.

Bevor ichs vergesse, am Dienstag Abend haben uns unsere Kinder vom After school Club zu einer feierlichen Infoveranstaltung zu ihrer Nachmittagsbetreuungseinrichtung eingeladen. Das war an sich eine ziemlich große Sache, hat mich fast ein bisschen an einen Ball erinnert. Eine türkische Lehrerband hat gespielt und es wurde eine kurze Dia-Show mit Bildern von der Einrichtung gezeigt. Am Ende haben dann alle auf der Bühne typisch türkisch getanzt. (auch wir wurden von „unseren Kindern“ auf die Bühne gezerrt ) Die ganzen Reden habe ich natürlich nicht verstanden, aber so wie es mir vorkam hat sowieso keiner der Anwesenden zugehört. Ist glaub ich wieder sowas typisch Türkisches, um den offiziellen Teil schert sich niemand so wirklich


Gegen Ende der Woche war dann schon wieder Abschiedsfeier für die Kurzzeitfreiwilligen vom Environment project. Das hieß Massenversammlung von mehr als 20 Leuten in der „Partywohnung“ (nicht unsere zum Glück!). Irgendwann haben wir im Wohnzimmer auf ukrainische Musik getanzt und einfach noch ein letztes Mal alle zusammen gesessen. Dementsprechend waren alle am Freitag dann auch ziemlich müde, aber unsere Englischstunde im Waisenhaus war trotzdem die beste, die wir bisher gehalten haben. Sonst hat immer keiner zugehört, aber diesmal wars nicht ganz so frustierend wie sonst. Das Problem hier ist einfach, dass die Kinder an einem Freitag Nachmittag natürlich keinne Lust haben im Klassenzimmer zu sitzen und Englischunterricht zu bekommen. Wie gesagt, wir sind keine Lehrer, aber der Chef vom Waisenhaus will unbedingt, dass wir Englisch unterrichten und keine Spiele machen. Das nächste Mal wollen wir es mit einer Art Lebendem Cluedo Spiel versuchen und den Kindern spielerisch einfach ein paar Wörter beibringen, mal sehen wie das klappt.

Das Wochenende war also schon wieder da und diesmal war ich von der Woche ziemlich müde und habe beschlossen mal in Antep zu bleiben. Größenteils wars eher langweilig, aber samstags habe ich einen sehr guten Film zusammen mit Julia gesehen: Good Bye Lenin. Kann ich nur empfehlen! An diesem Tag kam zudem auch wieder ein Schwung neuer Freiwilliger an, mit denen wir dann abends noch ein bisschen zusammen saßen. Es ist auf der einen Seite ja schön, dass immer neue Leute kommen, aber es fällt einem mit jedem Mal schwerer alle 4 Wochen wieder die Motivation zu finden sich kennenzulernen. Klingt jetzt vielleicht etwas komisch, aber manchmal wird’s einem einfach zu viel. Der Höhepunkt des Sonntags war dann meine erste selbstgekochte Gemüsepfanne, bin wirklich unheimlich stolz drauf!

So, langsam nähern wir uns der Gegenwart. Erwähnenswert in der nächsten Woche war vor allem mein erster Kinobesuch in Antep – CATCHING FIRE!! Ich hab mich in dem kleinen Kinosaal fast wie im Starlight Kino in Nes gefühlt und hatte ein bisschen Heimatgefühl Viele Filme hier sind zu unserem Glück auf Englisch mit türkischen Untertiteln und ich habe eigentlich das meiste verstanden, vor allem weil ich die Bücher ja schon kenne. Teuer ist Kino hier im Vergleich zu daheim auch nicht, als Schüler zahlt man pro Film unter der Woche vier Euro, das ist echt bezahlbar.


Arbeiten mussten wir in dieser Woche dann eher weniger, weil wir am Donnerstag und Freitag wieder ein Training zu Informal Training und Youthpass hatten. Unsere Gruppe hat zur Zeit ziemlich Probleme sich auf eine Idee bei den ganzen Aktivitäten zu einigen und wir hatten schon ein paar „Krisensitzungen“ in letzter Zeit. Ich hoffe mal das ist nur eine Phase und wir können bald ein gutes Arbeitsklima schaffen, dann macht alles auch wieder mehr Spaß.


Seit ein paar Tagen haben wir jetzt ein neues Projekt in der Highschool gleich neben unserer Organisation. Mit einer Gruppe von Jugendlichen im Alter von ungefähr 15 Jahren machen wir dort jeden Monat zu einem anderen Thema Aktivitäten. Für den Dezember beschäftigen wir uns zum Beispiel mit Respekt, Solidarität und Hilfe. Wir gehen drei Mal die Woche in die Highschool, das heißt sie macht einen ziemlich großen neuen Teil unseres Wochenprogramms aus. Mal sehen, wie sich das in nächster Zeit entwickelt, auf jeden Fall ist mein Wochenprogramm jetzt um einiges voller als vorher...

Nach meinem ziemlich tatenlosen Wochenende die Woche zuvor kann ich jetzt endlich von unserem Tagestrip nach Sanliurfa und Harran berichten. Samstag früh um 7 Uhr gings los und gegen 11 Uhr kamen wir in Sanliurfa an.

Die Stadt ist vor allem aus religiöser Sicht von Bedeutung. Es gibt hier eine Höhle, die man besichtigen kann, und von der man sagt, dass Abraham hier geboren seien soll. Ganz in der Nähe von dieser Höhle ist der berühmte „Teich des Abraham“, in dem „heilige Karpfen“ schwimmen.

 

Heiliger Fischteich

Sanliurfa Halil Rahman Moschee

 


Der Legende nach hat Gott Gott Abraham vor der Verbrennung gerettet, indem er das Feuer in Wasser und die Glut in Fische verwandelt hat, deswegen sollte man nicht verschen die Karpfen zu essen, sonst bekommt man ganz schön Probleme Danach waren wir nochmal schön Cay trinken und Kebap essen (War der grauenvollste Kebap, den ich hier jemals gegessen habe, ich bin nicht mal sicher, ob das wirklich Fleisch war, was ich da gegessen habe, war ziemlich seltsam...)

Dann haben wir noch die Überreste einer ziemlich alten Burg besichtigt, da hatte man mal wieder eine coole Aussicht auf die Stadt! Nur die Stufen, die wir bis nach oben erklimmen mussten, haben mich ganz schön fertig gemacht... ich bin sportlich gesehen echt nichts mehr gewohnt. Vor 2 Wochen habe ich einmal das Fitnesscenter in Antep ausprobiert, aber das ist mir auf die Dauer dann doch zu teuer und auf dem Laufband zu rennen hat sowieso nicht so den mega Spaßfaktor für mich persönlich. Naja, meine unglaubliche tägliche Bewegungeinheit besteht einfach darin in den fünften Stock in meine Wohnung zu laufen und am Wochenende irgendwelchen Autos hinterherzurennen, die zu weit weg für uns anhalten. Das muss für die nächsten paar Monate reichen!

So, jedenfalls haben wir dann eigentlich alle sehenswerten Sachen in Sanliurfa ganz schön schnell abgeklappert und beschlossen noch bis in die nächste Stadt (Harran) zu gehen, um dort die Ruinen einer mal wieder ziemlich alten Universität (fragt mich nicht wie alt) anzuschauen.

 

Freiluft Hijhiking auf Minilastwagen


Auf dem Weg dorthin haben wir einen Typen getroffen, der in einem Flüchtlingscamp für Syrer arbeitet, nur 8 km von Harran entfernt. Ich muss sagen ich würde gerne auch mit Flüchtlingskindern zusammenarbeiten, allerdings ist es ziemlich schwer eine Genehmigung für das Betreten eines solchen Camps zu bekommen und die Arbeit mit den teilweise Waisen und traumatisierten Kindern ist bestimmt alles andere als einfach. Eine andere Freiwillige aus Antep hat gerade ein Flüchtlingsprojekt gefunden, nachdem ihr ursprüngliches Projekt nicht mehr funktioniert hat. Ich werde sie bei Gelegenheit mal löchern und mich mehr darüber informieren, aber zur Zeit müssen wir uns erstmal mit unseren aktuellen Aktivitäten auseinandersetzen.

Die Ruinen der Uni haben wir dann leider gar nicht mehr sehen können, weil es schon wieder gedaämmert hat und wir uns auf den Heimweg machen mussten.

 

Orient lässt grüßen!


Aber dafür haben wir ein paar Kamele gesichtet und sind in den Ruinen der zur Universität gehörgen Moschee rumgeklettert. Nachdem wir dann nicht gerade auf dem kürzesten Weg wieder nach Hause gefahren sind (eine Dolmusch=türkischer Minibus hat uns umsonst mitgenommen, ist aber über sämtliche Kleinstädte gefahren anstatt die Autobahn zu benutzen) war dann Schicht im Schacht und meinen darauffolgenden Sonntag habe ich zu meiner Schande fast ausschließlich am Computer verbracht.. Abends haben wir uns letztendlich noch aufraffen können ins Kino zu gehen, allerdings habe ich nicht wirklich verstanden, worums in dem Film ging (The counselor). Ist eben doch was anderes, wenn man den Inhalt eines Films gar nicht kennt und ihn nur auf Englisch sieht.

So, ich nähere mich dem Ende, Gratulation wenn jemand bis hierher gelesen hat und noch nicht eingeschlafen ist!

Heute ist schon wieder Donnerstag und über die so gut wie abgeschlossene Woche kann ich nur so viel sagen: sie war echt anstrengend, vor allem heute bin ich ziemlich tot nach Arbeit von 9 bis halb 10 Uhr abends mit insgesamt vielleicht 2 Stunden Pause. Wir waren zum ersten Mal in der Highschool, haben kleine Theatereinheiten zum Thema Respekt und Hilfe mit ihnen organisiert und am nächsten Tag dann Plakate mit ihnen gestaltet. Die Jugendlichen sind echt motiviert und haben Lust auf unser Projekt, das ist schon Mal Belohnung genug für den ganzen „Stress“ diese Woche

Bei der ganzen EFD Sache vergisst man schnell, dass in Deutschland ja schon Höchstweihnachtsstimmung herrscht, davon bemerkt man hier so gut wie gar nichts. Nichts mit romantischer Stadtbeleuchtung oder Schokoweihnachtsmännern in den Supermärkten. Ich mache mir selber ein bisschen Weihnachtsstimmung mit meinem selbstgemachten „Adventskranz“ (eine Konstruktion aus 4 weißen Kerzen, einer Eierverpackung, Watte, getrockneten Orangen und ein paar Tannenzweigen, die ich aus dem Park neben unserer Wohnung gestohlen habe.) und éin paar kitschigen Weihnachsliedern. So ganz muss ich zum Glück nicht auf Weihnachten verzichten, über die Feiertage komme ich 4 Tage ins gute alte Unterfranken zurück und besuche vorher noch meine Schwester in Budapest. Ich hoffe mal es liegt dann auch schön viel Schnee, hier in Antep ist der nämlich meistens nur in matschiger-gleich-wieder-wegschmelz-Form vorzufinden.


So, diesmal ein abrupter Abschied, ich kann nicht mehr schreiben und mir fällt kein kreatives Schlusswort ein.

Auf wiedersehen Freunde, machts gut, habt eine schöne Adventszeit und lasst euch nicht stressen!


Hoska kal! Man sieht sich bald!

Rebecca


Rebecca am 6.12.13 12:23, kommentieren

Mysteriöse Hundegeschichten, ein Haufen neuer Volunteers und JA! Ich arbeite hier auch mal! ;)


In den letzten Tagen habe ich schon des öfteren zu hören bekommen, dass sich das alles, was ich hier reinschreibe,ja echt schön anhört, aber so manch einer sich frage, ob ich denn auch mal arbeiten muss?! Hier meine Antwort für alle: JA, von Montag bis Freitag haben wir jetzt wieder regelmäßig nach den Ferien unsere verschiendenen Aktivitäten. Nach Konya und Bayram hab ich jetzt erstmal eine Zeit lang was zu tun.

In den letzten zwei Wochen hat sich, was unsere Aktivities befrifft, einiges geändert. Die Jugendlichen aus dem Youthcentre haben sich für die Zukunft Englischunterricht gewünscht, und so hab ich zum ersten Mal versucht einem 14 Jährigen mit meinen mehr als brüchigen Türkischkenntnissen die englischen Zahlen und Wochentage beizubringen. Gar nicht so leicht muss ich sagen...wir sind ja schließlich keine ausgebildeten Lehrer, aber die meisten Jugendlichen sind echt motiviert, das macht schonmal einiges leichter. Der Englischunterricht in türkischen Schulen ist zumindest hier in Gaziantep ziemlich schlecht. Ich habe schon gehört, dass manchmal die Schüler sogar mehr Ahnung als der Lehrer haben und deswegen zusätzlichen Unterricht haben wollen. Als ich letztes Wochenende einen syrischen Englischprofessor von der Universität Gaziantep getroffen habe und er mir einen Test für seine Studenten gezeigt hat, war ich auch erstmal von dessen simplen Aufgaben überrascht. Der Unterschied zum deutschen Bildungsstand ist hier wirklich krass. Um später überhaupt studieren zu können müssen viele neben der normalen Schule noch Extra Unterricht an speziell dafür ausgelegten Schulen nehmen. Die kosten viel Geld und nicht jeder kann sich eine solche Ausbildung leisten.

Nach meiner ersten Englischstunde habe ich mich zum ersten Mal gefühlt, etwas erreichen zu können. Ich werde jetzt die 6 Monate, die ich hier bin, einen Schüler haben, den ich jede Woche unterrichte. Ich glaube in so einer langen Zeit kann man viel lernen und ich hoffe am Ende bringt es ihm etwas. Zusätzlich unterrichte ich jetzt immer Dienstags mit meiner belgischen Mitbewohnerin ein Mädchen aus Afghanistan. Sie wohnt seit ein paar Jahren in der Türkei und hat vorher Englischunterricht von zwei Freiwilligen bekommen, die jetzt ihr Projekt beendet haben. Wir versuchen das ganze eher spielerisch aufzuziehen, aber manchmal bin ich mir noch unsicher, ob es jetzt schlauer ist ihr wirklich Grammatik beizubringen oder zum Beispiel einfach nur möglichst viel mit ihr in Englisch zu reden. Ein geborener Lehrer bin ich nicht, aber das kann ja noch werden


Mich haben außerdem noch zwei weitere Leute nach Deutschunterricht gefragt, aber im Moment bin ich eigentlich schon genug mit Englischunterricht beschäftigt...Man möchte meinen, Deutsch unterrichten wäre viel leichter, weil es ja meine Muttersprache ist. Ist aber genau das Gegenteil. Wenn man nie über seine Sprache nachdenkt, wie sie funktioniert, was für Grammatikregeln es gibt und wie viele verdammte Ausnahmen vorkommen, dann kann man sie auch nur schwer anderen erklären. Ich muss sagen ich bin überglücklich Deutsch als Muttersprache zu haben. Schon allein die „Der Die Das Sache“ ist kompliziert und sogar die Pluralbildungen sind alles andere als regelmäßig. Ich habe versucht eine Deutschstunde zu geben, war auch ganz gut glaube ich. Aber am nächsten Tag sollte ich noch eine geben, hatte aber zuvor noch Englischunterricht und dann für mich selber 3 Stunden Türkisch...danach war mein Kopf kurz vorm Explodieren und nicht mehr in der Lage Deutsch zu unterrichten... Zwischendrin redet man nochmal kurz Französisch mit ein paar Freiwilligen oder veruscht sich ungarische Zungenbrecher zu merken – spätestens jetzt will man einfach mal schweigen und gar nichts mehr sagen Ich habe festgestellt, dass ich mich momentan mit Englisch echt am wohlsten fühle. Wenn ich Deutsch rede bringe ich oft alles durcheinander und muss manchmal sogar über ein deutsches Wort nachdenken, das mir nur in Englisch einfällt. Verwirrung pur!

In diesem Sinne ist für mich der Mosaikkurs einmal pro Woche echt Erholung. Mit türkischer Musik und Chai ist diese eintönige Tätigkeit zwar manchmal ein bisschen langweilig, aber man hat auch Zeit mal mental abzuschalten.


Mosaik


Besonders jetzt, wor wir einen riesen Haufen an neuen Freiwilligen für das Environment-Projekt haben (an einem Tag kamen 17 neue Volunteers an!!!) ist man manchmal ech froh für einen Moment allein zu sein. Es ist schön mit so vielen Leuten zusammenzuarbeiten (und eigentlich auch zu wohnen, weil wir fast immer in der Organisation sind), aber das kann auf Dauer auch anstrengend werden. Man sitzt sozusagen immer aufeinander und muss mit den Eigenarten der Anderen und deren verschiedenen Persönlichkeiten klar kommen. Letztes Wochenende sind insgesamt 24 Leute unserer Freiwilligen auf Hijhiking Tour nach Kapadokya gegangen. (Eine Region in der Mitte der Türkei). Ich habe schon während Bayram gemerkt, dass es manchmal schwierig sein kann in einer großen Gruppe zu reisen, deshalb hab ich auch auf diesen „Massentrip“ verzichtet und mein Wochenende in Antep verbracht. Bei der Gelegenheit hab ich mich mit Julie, ihrem Freund Kévin und einem gemeinsamen Bekannten von beiden getroffen. Sie arbeitet in einer anderen Organisation in Antep und wir haben uns auf dem On-Arrival Training kennengelernt. Der besagte Bekannte kommt aus Syrien und unterrichtet seit ein paar Jahren Englisch an der Universität Gaziantep. Dank ihm konnten wir den Campus anschauen, den sonst nur Studenten betreten dürfen und haben ein leckeres syrisches Mittagessen genießen dürfen!

Abends haben wir dann noch auf seiner Dachterasse ein paar Studenten kennengelernt, die im selben Haus wie er wohnen. Sehr nette Leute!

Die Gruppe aus Kapadokya hatte anscheinend wieder ein paar lustige Hijhiking Erlebnisse, wenn auch ein paar erst Sonntag Nacht wieder heimgekommen sind und am nächsten Tag ziemlich durchhingen.

Seit dieser neue „Haufen“ an Freiwilligen angekommen ist komm ich mir langsam ein bisschen wie in einem Erasmus Projekt vor. Irgendwie redet jeder nur noch in seiner eigenen Sprache (wir haben jetzt zum Beispiel 5 Ungarn, 4 Italiener, 3 Spanier und 4 Franzosen). Englisch ist wirklich rar geworden...

Ah – mir fällt grade auf, dass ich noch gar nicht von unserem nun „Exhaustier“ berichtet habe. Unser Hund ist verschwunden – einfach weg. Am Wochenende ist er durch mysteriöse Umstände vom eigentlich abgeschlossenen Balkon entschwunden...So manch einer glaubt er hat sich todesmutig selber vom Balkon aus dem Staub gemacht, aber es geht das Gerücht herum, dass sich eine bestimmte Person des Hundes entledigen wollte...Ein paar Leute hatten nämlich was gegen den Vierbeiner, vor allem weil er immer die Organisation als Hundeklo benutzt hat. Schade Schokolade... (aber wenn meine Quellen stimmen, dann ist er jetzt an einem sicheren Ort. )

Bye bye Vivaldi...


Am letzten Wochenende sind wir nochmal nach Mersin getrampt, um die Schildkrötenprokekt Leute ein letztes Mal zu besuchen. Deren EVS endet nämlich in ein paar Wochen. Es ist komisch zu wissen, dass man die meisten wahrscheinlich nie wieder sieht, aber so ist das nun mal bei EVS. Man trifft so viele Leute, aber so richig kennenlernen kann man sich oftmals nicht. Obwohl wir nur eineinhalb Tage in Mersin verbringen konnten hat sich der Trip meiner Meinung nach gelohnt, schon allein wegen der netten Leute, die wir mal wieder beim trampen getroffen haben. Auf dem Rückweg haben wir dann aber den Bus genommen, weil es hier jetzt schon um 5 Uhr dunkel wird und wir nicht „blind“ hijhiken gehen wollten. War dann fast ein bisschen langweilig, aber auch mal entspannend, wenn man nicht dauernd auf ein neues Auto warten muss.

 

Allerdings bevorzuge ich nach wie vor Hijhiken – warum? unbeschreiblich.

 

 

Sheila (Spanien) und Laci (Ungarn)


Zurück aus Mersin ging dann wieder der Arbeitsalltag los. Diese Woche haben wir mit den Kindern im After school Club das Märchen Schneewittchen uns die 7 Zwerge nachgespielt und am Dienstag waren Adinda und ich bei Mina (unserer Englischschülerin) auf einen Chai eingeladen. Okay, im Endeffekt war es nicht ein Chai sondern ganze 6 Stück + ein Haufen an leckeren Gebäckteilen aus dem Iran und afghanisches Knabberzeug. Danach war ich so überfressen wie noch nie in meinem Leben...

Die ganze Familie will bald nach Kanada auswandern und deswegen will Mina auch ihr Englisch verbessern. Ihre Eltern und Großeltern können zwar soweit ich das verstanden habe nur wenig Türkisch und gar kein Englisch, sodass wir uns nur schwer unterhalten konnten, aber mit Händen und Füßen gings schon irgendwie.

Für die Kinder im Waisenhaus stehen ab jetzt auch Englischstunden an. Sonst haben wir dort immer draußen Spiele gemacht, aber auch hier wird es jetzt wie gesagt langsam kälter und wir müssen unsere Aktivitäten langsam nach drinnen verlegen. Ich bin mal gespannt wie das wird, die Kinder im Waisenhaus sind nämlich ziemlich energiegeladen und wollen eigentlich immer rumrennen und mit unseren männlichen Freiwilligen kämpfen... In diesem Fall bin ich echt froh kein Mann zu sein, die Kinder stürzen sich manchmal regelrecht auf Tamas (Ungar) oder Nikiforus (Griechenland) und machen die beiden ganz schön fertig.

Frau sein hat hier aber nicht nur Vorteile. Was mich tierisch nervt ist, dass ich hier abends eigentlich nie alleine nach Hause laufen kann. Eine männliche Begleitung „muss“ immer dabeisein, und auch tagsüber sagen viele es ist nicht gut einfach mal so alleine auf den Basar zu gehen. Zudem muss man bei seinen Hijhikingtrips ebenfalls immer einen Kerl miteinplanen. Das ist ja an sich nicht schlimm, aber es schränkt einen schon irgendwie ein. Vor ein paar Tagen kam ein Freiwilliger von einem Trip in den Iran zurück. Er ist alleine getrampt und hat auf seiner Reise unglaubliche Sachen erlebt, die ihm in einer Gruppe nie passiert wären. So einen Solotrip zu machen ist hier für eine Frau so gut wie unmöglich.

Aber naja, dieses Wochenende planen wir nach Iskenderun und Hatay zu gehen. Hatay oder auch Antakya liegt ungefähr 2 Stunden von Gaziantep enfernt und soll eine sehr schöne Stadt sein. Mal sehen wie wir uns hijhiking-mäßig da wieder schlagen.. Bis dahin hoffe ich auch erstmal wieder gesund zu werden, momentan geht nämlich eine Erkältungswelle durch Geged. Am Mittwoch lag ich schon ziemlich flach, aber es ist schon wieder besser.

Gestern hatten wir ein bisschen anderes Programm also sonst. Mehmet, einer unserer Koordinatoren , hat für uns ein Teambuilding Training vorbereitet. Unsere Projektgruppe ist nämlich teammäßig noch sziemlich„ausbaufähig“...Wir müssen jetzt noch ein paar Monate zusammen arbeiten und manchmal ist es echt noch schwer auf einen Nenner zu kommen, mal ganz allgemein ausgedrückt. Das Training an sich war dann ziemlich lustig und hatte Ähnlichkeit mit den Sachen, die wir schon auf unserem On Arrival Training gemacht haben. Ob es unseren Zusammenhalt jetzt mega gestärkt hat bezweifle ich momentan noch, aber es war zumindeste mal ein Anfang.

Abends gings dann nochmal ins Youth Centre zu einer Diskussionsrunde mit den Jugendlichen über die verchiedenen Freiheiten der Frauen in Europa im Vergleich zu der Türkei. Vor allem im ziemlich konservativ geprägten Gaziantep sind Frauen noch ziemlich eingeschränkt. Abends ausgehen, die Klamotten tragen, die man will oder schlicht und ergreifend einfach mal so mit einem Mann ausgehen wird noch immer mit scharfen Blicken beäugt. Von Schwulen und Lesben Beziehungen darf man gar nicht erst anfangen, die sind hier überhaupt nicht anerkannt und müssen eigentlich immer, wenn überhaupt, geheim gehalten werden. Anders ist das ganze im Westen der Türkei. Istanbul und ein paar weitere Städte sind in der Hinsicht schon viel moderner und „more open minded“ wenn es auch zum Beispiel in Istanbul einen europäischen und eher orientalischen Teil gibt. Aber allgemein gibt es in dieser Hinsicht einen großen Unterschied zwischen der West und Osttürkei.

Manchmal ist es noch etwas schwierig diese Diskussionen mit den türlischen Jugendlichen zu führen. (Jeden Donnerstag wählen wir ein anderes Thema.), weil wir immer einen Übersetzer brauchen. So kommt es manchmal leicht zu Missverständnissen während der Übersetzungen und man muss zuvor gut darüber nachdenken, was man sagen will. Aber dieses Mal hat es zum Glück wirklich gut geklappt!


Diese Woche habe ich endlich meine Aufenthalsgenehmigung für die Türkei abholen können. Irgendwie bin ich jetzt grad mal seit eineinhalb Monaten hier, aber es fühlt sich an, als ob ich ein paar Leute und Geged schon ewig kenne.

 

Türkiye? Sen seviorum!


Rebecca



Rebecca am 8.11.13 12:23, kommentieren