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NORKIYE - 3173km in Europa
 

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Mysteriöse Hundegeschichten, ein Haufen neuer Volunteers und JA! Ich arbeite hier auch mal! ;)


In den letzten Tagen habe ich schon des öfteren zu hören bekommen, dass sich das alles, was ich hier reinschreibe,ja echt schön anhört, aber so manch einer sich frage, ob ich denn auch mal arbeiten muss?! Hier meine Antwort für alle: JA, von Montag bis Freitag haben wir jetzt wieder regelmäßig nach den Ferien unsere verschiendenen Aktivitäten. Nach Konya und Bayram hab ich jetzt erstmal eine Zeit lang was zu tun.

In den letzten zwei Wochen hat sich, was unsere Aktivities befrifft, einiges geändert. Die Jugendlichen aus dem Youthcentre haben sich für die Zukunft Englischunterricht gewünscht, und so hab ich zum ersten Mal versucht einem 14 Jährigen mit meinen mehr als brüchigen Türkischkenntnissen die englischen Zahlen und Wochentage beizubringen. Gar nicht so leicht muss ich sagen...wir sind ja schließlich keine ausgebildeten Lehrer, aber die meisten Jugendlichen sind echt motiviert, das macht schonmal einiges leichter. Der Englischunterricht in türkischen Schulen ist zumindest hier in Gaziantep ziemlich schlecht. Ich habe schon gehört, dass manchmal die Schüler sogar mehr Ahnung als der Lehrer haben und deswegen zusätzlichen Unterricht haben wollen. Als ich letztes Wochenende einen syrischen Englischprofessor von der Universität Gaziantep getroffen habe und er mir einen Test für seine Studenten gezeigt hat, war ich auch erstmal von dessen simplen Aufgaben überrascht. Der Unterschied zum deutschen Bildungsstand ist hier wirklich krass. Um später überhaupt studieren zu können müssen viele neben der normalen Schule noch Extra Unterricht an speziell dafür ausgelegten Schulen nehmen. Die kosten viel Geld und nicht jeder kann sich eine solche Ausbildung leisten.

Nach meiner ersten Englischstunde habe ich mich zum ersten Mal gefühlt, etwas erreichen zu können. Ich werde jetzt die 6 Monate, die ich hier bin, einen Schüler haben, den ich jede Woche unterrichte. Ich glaube in so einer langen Zeit kann man viel lernen und ich hoffe am Ende bringt es ihm etwas. Zusätzlich unterrichte ich jetzt immer Dienstags mit meiner belgischen Mitbewohnerin ein Mädchen aus Afghanistan. Sie wohnt seit ein paar Jahren in der Türkei und hat vorher Englischunterricht von zwei Freiwilligen bekommen, die jetzt ihr Projekt beendet haben. Wir versuchen das ganze eher spielerisch aufzuziehen, aber manchmal bin ich mir noch unsicher, ob es jetzt schlauer ist ihr wirklich Grammatik beizubringen oder zum Beispiel einfach nur möglichst viel mit ihr in Englisch zu reden. Ein geborener Lehrer bin ich nicht, aber das kann ja noch werden


Mich haben außerdem noch zwei weitere Leute nach Deutschunterricht gefragt, aber im Moment bin ich eigentlich schon genug mit Englischunterricht beschäftigt...Man möchte meinen, Deutsch unterrichten wäre viel leichter, weil es ja meine Muttersprache ist. Ist aber genau das Gegenteil. Wenn man nie über seine Sprache nachdenkt, wie sie funktioniert, was für Grammatikregeln es gibt und wie viele verdammte Ausnahmen vorkommen, dann kann man sie auch nur schwer anderen erklären. Ich muss sagen ich bin überglücklich Deutsch als Muttersprache zu haben. Schon allein die „Der Die Das Sache“ ist kompliziert und sogar die Pluralbildungen sind alles andere als regelmäßig. Ich habe versucht eine Deutschstunde zu geben, war auch ganz gut glaube ich. Aber am nächsten Tag sollte ich noch eine geben, hatte aber zuvor noch Englischunterricht und dann für mich selber 3 Stunden Türkisch...danach war mein Kopf kurz vorm Explodieren und nicht mehr in der Lage Deutsch zu unterrichten... Zwischendrin redet man nochmal kurz Französisch mit ein paar Freiwilligen oder veruscht sich ungarische Zungenbrecher zu merken – spätestens jetzt will man einfach mal schweigen und gar nichts mehr sagen Ich habe festgestellt, dass ich mich momentan mit Englisch echt am wohlsten fühle. Wenn ich Deutsch rede bringe ich oft alles durcheinander und muss manchmal sogar über ein deutsches Wort nachdenken, das mir nur in Englisch einfällt. Verwirrung pur!

In diesem Sinne ist für mich der Mosaikkurs einmal pro Woche echt Erholung. Mit türkischer Musik und Chai ist diese eintönige Tätigkeit zwar manchmal ein bisschen langweilig, aber man hat auch Zeit mal mental abzuschalten.


Mosaik


Besonders jetzt, wor wir einen riesen Haufen an neuen Freiwilligen für das Environment-Projekt haben (an einem Tag kamen 17 neue Volunteers an!!!) ist man manchmal ech froh für einen Moment allein zu sein. Es ist schön mit so vielen Leuten zusammenzuarbeiten (und eigentlich auch zu wohnen, weil wir fast immer in der Organisation sind), aber das kann auf Dauer auch anstrengend werden. Man sitzt sozusagen immer aufeinander und muss mit den Eigenarten der Anderen und deren verschiedenen Persönlichkeiten klar kommen. Letztes Wochenende sind insgesamt 24 Leute unserer Freiwilligen auf Hijhiking Tour nach Kapadokya gegangen. (Eine Region in der Mitte der Türkei). Ich habe schon während Bayram gemerkt, dass es manchmal schwierig sein kann in einer großen Gruppe zu reisen, deshalb hab ich auch auf diesen „Massentrip“ verzichtet und mein Wochenende in Antep verbracht. Bei der Gelegenheit hab ich mich mit Julie, ihrem Freund Kévin und einem gemeinsamen Bekannten von beiden getroffen. Sie arbeitet in einer anderen Organisation in Antep und wir haben uns auf dem On-Arrival Training kennengelernt. Der besagte Bekannte kommt aus Syrien und unterrichtet seit ein paar Jahren Englisch an der Universität Gaziantep. Dank ihm konnten wir den Campus anschauen, den sonst nur Studenten betreten dürfen und haben ein leckeres syrisches Mittagessen genießen dürfen!

Abends haben wir dann noch auf seiner Dachterasse ein paar Studenten kennengelernt, die im selben Haus wie er wohnen. Sehr nette Leute!

Die Gruppe aus Kapadokya hatte anscheinend wieder ein paar lustige Hijhiking Erlebnisse, wenn auch ein paar erst Sonntag Nacht wieder heimgekommen sind und am nächsten Tag ziemlich durchhingen.

Seit dieser neue „Haufen“ an Freiwilligen angekommen ist komm ich mir langsam ein bisschen wie in einem Erasmus Projekt vor. Irgendwie redet jeder nur noch in seiner eigenen Sprache (wir haben jetzt zum Beispiel 5 Ungarn, 4 Italiener, 3 Spanier und 4 Franzosen). Englisch ist wirklich rar geworden...

Ah – mir fällt grade auf, dass ich noch gar nicht von unserem nun „Exhaustier“ berichtet habe. Unser Hund ist verschwunden – einfach weg. Am Wochenende ist er durch mysteriöse Umstände vom eigentlich abgeschlossenen Balkon entschwunden...So manch einer glaubt er hat sich todesmutig selber vom Balkon aus dem Staub gemacht, aber es geht das Gerücht herum, dass sich eine bestimmte Person des Hundes entledigen wollte...Ein paar Leute hatten nämlich was gegen den Vierbeiner, vor allem weil er immer die Organisation als Hundeklo benutzt hat. Schade Schokolade... (aber wenn meine Quellen stimmen, dann ist er jetzt an einem sicheren Ort. )

Bye bye Vivaldi...


Am letzten Wochenende sind wir nochmal nach Mersin getrampt, um die Schildkrötenprokekt Leute ein letztes Mal zu besuchen. Deren EVS endet nämlich in ein paar Wochen. Es ist komisch zu wissen, dass man die meisten wahrscheinlich nie wieder sieht, aber so ist das nun mal bei EVS. Man trifft so viele Leute, aber so richig kennenlernen kann man sich oftmals nicht. Obwohl wir nur eineinhalb Tage in Mersin verbringen konnten hat sich der Trip meiner Meinung nach gelohnt, schon allein wegen der netten Leute, die wir mal wieder beim trampen getroffen haben. Auf dem Rückweg haben wir dann aber den Bus genommen, weil es hier jetzt schon um 5 Uhr dunkel wird und wir nicht „blind“ hijhiken gehen wollten. War dann fast ein bisschen langweilig, aber auch mal entspannend, wenn man nicht dauernd auf ein neues Auto warten muss.

 

Allerdings bevorzuge ich nach wie vor Hijhiken – warum? unbeschreiblich.

 

 

Sheila (Spanien) und Laci (Ungarn)


Zurück aus Mersin ging dann wieder der Arbeitsalltag los. Diese Woche haben wir mit den Kindern im After school Club das Märchen Schneewittchen uns die 7 Zwerge nachgespielt und am Dienstag waren Adinda und ich bei Mina (unserer Englischschülerin) auf einen Chai eingeladen. Okay, im Endeffekt war es nicht ein Chai sondern ganze 6 Stück + ein Haufen an leckeren Gebäckteilen aus dem Iran und afghanisches Knabberzeug. Danach war ich so überfressen wie noch nie in meinem Leben...

Die ganze Familie will bald nach Kanada auswandern und deswegen will Mina auch ihr Englisch verbessern. Ihre Eltern und Großeltern können zwar soweit ich das verstanden habe nur wenig Türkisch und gar kein Englisch, sodass wir uns nur schwer unterhalten konnten, aber mit Händen und Füßen gings schon irgendwie.

Für die Kinder im Waisenhaus stehen ab jetzt auch Englischstunden an. Sonst haben wir dort immer draußen Spiele gemacht, aber auch hier wird es jetzt wie gesagt langsam kälter und wir müssen unsere Aktivitäten langsam nach drinnen verlegen. Ich bin mal gespannt wie das wird, die Kinder im Waisenhaus sind nämlich ziemlich energiegeladen und wollen eigentlich immer rumrennen und mit unseren männlichen Freiwilligen kämpfen... In diesem Fall bin ich echt froh kein Mann zu sein, die Kinder stürzen sich manchmal regelrecht auf Tamas (Ungar) oder Nikiforus (Griechenland) und machen die beiden ganz schön fertig.

Frau sein hat hier aber nicht nur Vorteile. Was mich tierisch nervt ist, dass ich hier abends eigentlich nie alleine nach Hause laufen kann. Eine männliche Begleitung „muss“ immer dabeisein, und auch tagsüber sagen viele es ist nicht gut einfach mal so alleine auf den Basar zu gehen. Zudem muss man bei seinen Hijhikingtrips ebenfalls immer einen Kerl miteinplanen. Das ist ja an sich nicht schlimm, aber es schränkt einen schon irgendwie ein. Vor ein paar Tagen kam ein Freiwilliger von einem Trip in den Iran zurück. Er ist alleine getrampt und hat auf seiner Reise unglaubliche Sachen erlebt, die ihm in einer Gruppe nie passiert wären. So einen Solotrip zu machen ist hier für eine Frau so gut wie unmöglich.

Aber naja, dieses Wochenende planen wir nach Iskenderun und Hatay zu gehen. Hatay oder auch Antakya liegt ungefähr 2 Stunden von Gaziantep enfernt und soll eine sehr schöne Stadt sein. Mal sehen wie wir uns hijhiking-mäßig da wieder schlagen.. Bis dahin hoffe ich auch erstmal wieder gesund zu werden, momentan geht nämlich eine Erkältungswelle durch Geged. Am Mittwoch lag ich schon ziemlich flach, aber es ist schon wieder besser.

Gestern hatten wir ein bisschen anderes Programm also sonst. Mehmet, einer unserer Koordinatoren , hat für uns ein Teambuilding Training vorbereitet. Unsere Projektgruppe ist nämlich teammäßig noch sziemlich„ausbaufähig“...Wir müssen jetzt noch ein paar Monate zusammen arbeiten und manchmal ist es echt noch schwer auf einen Nenner zu kommen, mal ganz allgemein ausgedrückt. Das Training an sich war dann ziemlich lustig und hatte Ähnlichkeit mit den Sachen, die wir schon auf unserem On Arrival Training gemacht haben. Ob es unseren Zusammenhalt jetzt mega gestärkt hat bezweifle ich momentan noch, aber es war zumindeste mal ein Anfang.

Abends gings dann nochmal ins Youth Centre zu einer Diskussionsrunde mit den Jugendlichen über die verchiedenen Freiheiten der Frauen in Europa im Vergleich zu der Türkei. Vor allem im ziemlich konservativ geprägten Gaziantep sind Frauen noch ziemlich eingeschränkt. Abends ausgehen, die Klamotten tragen, die man will oder schlicht und ergreifend einfach mal so mit einem Mann ausgehen wird noch immer mit scharfen Blicken beäugt. Von Schwulen und Lesben Beziehungen darf man gar nicht erst anfangen, die sind hier überhaupt nicht anerkannt und müssen eigentlich immer, wenn überhaupt, geheim gehalten werden. Anders ist das ganze im Westen der Türkei. Istanbul und ein paar weitere Städte sind in der Hinsicht schon viel moderner und „more open minded“ wenn es auch zum Beispiel in Istanbul einen europäischen und eher orientalischen Teil gibt. Aber allgemein gibt es in dieser Hinsicht einen großen Unterschied zwischen der West und Osttürkei.

Manchmal ist es noch etwas schwierig diese Diskussionen mit den türlischen Jugendlichen zu führen. (Jeden Donnerstag wählen wir ein anderes Thema.), weil wir immer einen Übersetzer brauchen. So kommt es manchmal leicht zu Missverständnissen während der Übersetzungen und man muss zuvor gut darüber nachdenken, was man sagen will. Aber dieses Mal hat es zum Glück wirklich gut geklappt!


Diese Woche habe ich endlich meine Aufenthalsgenehmigung für die Türkei abholen können. Irgendwie bin ich jetzt grad mal seit eineinhalb Monaten hier, aber es fühlt sich an, als ob ich ein paar Leute und Geged schon ewig kenne.

 

Türkiye? Sen seviorum!


Rebecca



Rebecca am 8.11.13 12:23

Letzte Einträge: On Arrival Training Konya - Masallah!!, Geged verändert sich - und in meinem Kopf dreht sich alles.

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